Mit dem Fahrrad: Hamburg – Bremen

Seit dem Frühjahr 2016 fahre ich richtig gerne Fahrrad. Warum? Weil ich seitdem ein erstes eigenes, neues, ziemlich gutes Fahrrad habe. Insofern hat es für mich ziemlich großen Wert, ich erledige alles damit und wenn etwas kaputt ist, will ich es sofort repariert haben.

Nun bestehen meine Alltags-Touren selten aus Fahrten, die länger als eine Stunde dauern, allerdings davon sehr viele pro Tag. Mein ursprünglicher Plan war, von Hamburg nach Dänemark zu fahren, während ich noch dort bin. Es gibt einige scheinbar schöne Radwege nach Kopenhagen, leider waren das aber immer solche, für die man eine Woche, mindestens aber ein paar Tage einplanen sollte. Aufgrund meines Praktikums geht das jedoch nicht, weshalb ich beschloss, zumindest mal nach Bremen zu fahren.

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Noch hochmotiviert… Nach den ersten 500 Metern.

Das habe ich dann auch gemacht, ich bin um 7.15 Uhr morgens los mit einer Radroute, die 106km geht und deren Fahrzeit auf 6 1/2 Stunden geschätzt wurde. Für den Trip und allgemein für das weitere Radfahren habe ich mir die App Komoot heruntergeladen, bei der man ein Komplett-Paket an Karten kaufen kann, sodass es möglich ist auf alle Karten offline zuzugreifen. Da ich mir dachte, dass ich viel auf Landstraßen und durch kleine Dörfer fahren werde, erschien es mir sinnvoll (war es auch!) dieses Paket zu kaufen, weil ich streckenweise kaum Internet haben würde. Ich kann die App und das Paket nur allen empfehlen!

Letztendlich war die Tour, die ich gemacht habe, eine ziemlich gute Erfahrung. Meine Rückenschmerzen vom 30kg-Rucksack sind zwar tagelang nicht mehr weggegangen, ich konnte einen Tag danach nur sehr vorsichtig und wenig sitzen und Fahrradfahren war die nächste Woche eine Hölle aufgrund meiner Schmerzen am Po. Mein Körper dankte es mir also nicht so wirklich.

Die ersten 30 Kilometer fielen mir leicht. Der Fahrradweg war gut asphaltiert, ich bin an ganz schönen Stellen vorbeigefahren mit viel Wasser und habe ziemlich riesige Vögel gesehen.

Während der Fahrt nach meiner ersten Pause (nach 40 km) war ich mehrmals kurz davor, das Fahrrad abzustellen und irgendeinen Lastwagenfahrer anzuflehen, mich und mein Bike mitzunehmen. Ich zog viele unterschiedliche Bestechungsmöglichkeiten in Erwägung… Nach den ersten 70km, als ich bemerkte, dass ich mich trotz Karte um 5km verfahren hatte, weil ich falsch abgebogen war, wollte ich mich auf die Wiese setzen und weinen. Ich habe alle möglichen DB-Seiten aufgerufen, um herauszufinden, ob ich mit diesen Bussen durch ganz Niedersachsen auch ein Fahrrad mitnehmen könnte. Als ich mir sicher war, dass das nicht ging, suchte ich mir bei schlechtem Internet die ADAC-Nummer heraus und überlegte, wie teuer das würde.

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Selten fand ich das Zitat von Gladbeck City Bombing angemessener, als in diesem Dorf, von dem ich den Namen schon wieder vergessen habe.

Ein großes Problem war tatsächlich der schwere Rucksack. Ohne ihn hätte ich wesentlich weniger Pausen machen müssen, aber mein Rücken streikte immer wieder und an den Schultern schmerzte es irgendwann durchgehend. Ein weiteres Problem stellte dieser streckenweise krasse Gegenwind dar, außerdem kilometerlange Radwege am Rande der Landstraße, die voller Schlaglöcher und durchgehender Risse waren. Gegen Ende der Radtour, als ich nur noch 20 km vor mir hatte, wusste ich aber: Das größte Problem war, dass ich die Strecke vollkommen unterschätzt hatte und nicht trainiert dafür war. Mit der Einstellung „Ach, ob 10km oder 100, alles dasselbe“ sollte man definitiv nicht an Radtouren rangehen, hat mir diese Tour gezeigt.

Spannend war auf dem Weg auch das viele durch ganz kleine Dörfer Fahren. Ich habe dabei festgestellt, dass teilweise nur die CDU dort Wahlwerbung macht und das immer mit demselben Gesicht. Dass die AfD in den Dörfern sehr beliebt ist, erschien auch nicht mehr ganz so seltsam, weil die ersten Menschen, die ich am Ortseingang oder im Ort gesehen habe, meistens Nazis waren, deren Normal-Outfit Steinar-Shirts sind.

Insgesamt war die Strecke leider wirklich zäh. Einem Dorf folgten wieder mehrere Kilometer Landstraße, dann ein weiteres Dorf, Landstraße, Dorf, Landstraße, … Das ging eine Ewigkeit so, bis ich nach Lilienthal gekommen bin. Ich würde es als Kleinstadt bezeichnen, es gab dort sogar eine Tram. Ganz neu, nach meinen Erfahrungen die letzten 8 Stunden. Nach Bremen habe ich dann noch eine weitere Stunde gebraucht, habe mich tierisch gefreut, als ich das wunderbare Schild gesehen habe, das auf die Region Bremen verwiesen hat und dann ins Naturschutzgebiet gefahren bin.

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Ich will auf jeden Fall wieder Touren in der Größenordnung machen, weil es spannend ist und Spaß machen kann, wenn man keinen Zeitdruck und eine gute Route hat, die nicht zur Hälfte aus Schlaglöchern besteht. Letztendlich habe ich für die Tour, für die man eigentlich sechseinhalb Stunden einplanen sollte, etwa neuneinhalb gebraucht… Mit zwei Pausen von jeweils einer halben Stunde, 10 km Umweg aufgrund von Verfahren und langsamer fahren aufgrund Gegenwind und zu wenig Training. Aber ich war auch ziemlich froh, weil ich die Strecke komplett gefahren bin und es durchgezogen habe, sodass ich dann doch Bremen sehen konnte:

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